Optimierung der Grünflächenpflege am Beispiel des Straßenbegleitgrüns der Stadt Göttingen
mb Grünflächenmanagement



'Lösungsvorschläge für die nachhaltige Grünflächenunterhaltung trotz Sparzwängen'

mb Grünmanagement, Monika Böhm, Dipl.-Ing. LandschaftsplanungDer Fachdienst Grünflächen der Stadt Göttingen koordiniert als Auftraggeber für den städtischen Bauhof die Pflege und den Unterhalt von 250 Hektar Grün. Im Zuge von Einsparmaßnahmen wurde beschlossen, die bisherige Vergabe an Fremdfirmen einzustellen und trotz geplanter Personalreduzierungen weitere 3,3 Hektar Grünflächenpflege an den städtischen Bauhof zu übertragen. In Zusammenarbeit mit dem auf die wirtschaftliche Betreibung von Grün spezialisiertem Ingenieurbüro mb Grünmanagement aus Konstanz und der als für die Organisation der Grünflächenpflege der Stadt Göttingen zuständigen Ingenieurin Birgit Busse wurden Lösungsvorschläge für die Bewältigung dieser Herausforderung erarbeitet.

Neben dem wirtschaftlichen Zeitmanagement hat sich der Fachdienst Grün als Ziele für die nachhaltige Grünflächenunterhaltung die Substanz erhaltende Pflege, die Gewährleistung eines sauberen, zeitgemäßen Erscheinungsbildes sowie einer höchstmöglichen ökologische Vielfalt vorgenommen. Während in vergangenen Zeiten Einsparmaßnahmen durch Reduzierung von Pflegegängen mit entsprechenden negativen Folgeerscheinungen auf den Vegetationsflächen vorgenommen wurden, galt es nun, nach alternativen Kostensenkungen zu suchen, und die Zielsetzung für das nachhaltige Grünflächenmanagement im Auge zu behalten.
Karte Pflanzung
Abb.1: Objekte im Straßenbegleitgrün (anklicken zum Vergrößern; 1,2MB!)Abb.2: Intensive Staudenbepflanzungen nehmen den geringsten Flächenanteil im Straßenbegleitgrün ein

Im Zuge dessen wurden exemplarische Flächen im Straßenbegleitgrün begutachtet und festgestellt, dass die oft pflegeaufwändigen Stauden-, Bodendecker-, Strauch- und Rosenflächen teils erheblich überaltert sind und massive Lücken in den Bepflanzungen aufweisen. Die dargestellte beispielhafte Pflegebilanz der Bodendeckerpflanzungen verdeutlicht die unterschiedlichen Pflegeaufwände sehr anschaulich.

Beeinträchtigte Vegetationsstrukturen erhöhen unnötig den Pflegeaufwand
Kirche in Ulsnis Altar mit Orgel
Abb.3: Vitale Pflanzungen mit vollständiger Deckung. Zeitaufwand 4 Min. m²/Jahr. Kosten 2,20 m²/Jahr. Max. 5% aller Flächen weisen eine Deckung von 100% auf.

Abb.5: Pflanzungen mit weniger als 85 % Deckung. Zeitaufwand 20 Min. m²/Jahr. Kosten 10,20 m²/Jahr. 60% aller Flächen weisen eine Deckung um 50% auf
Abb.4: Pflanzungen mit mind. 85 % Deckung. Zeitaufwand 12 Min. m²/Jahr. Kosten 6,60 m²/Jahr. 35% aller Flächen weisen eine Deckung um 85% auf.

Kanzel AronNach Analyse der Bestandsaufnahme wurden zunächst auch als Orientierungshilfe für zukünftige Bepflanzungen sowie zur Gewährleistung einer möglichst hohen Artenvielfalt insgesamt zehn unterschiedlichen Vegetationstypen für das Straßenbegleitgrün festgelegt. Zudem wurde empfohlen, neben der Schließung der Lücken sämtlicher zu erhaltender Vegetationsflächen sowie der Wiederherstellung mehrstufiger Gehölzbepflanzungen alle überalterten und nicht funktionsfähigen Flächen umzuwandeln.

Es zeichnet sich ab, dass intensive Staudenflächen zukünftig lediglich in ausgesuchten repräsentativen Bereichen angeboten werden können. Bodendeckerrosen funktionieren im Straßenraum Göttingens nicht so zufriedenstellend wie in anderen Regionen. Die Umwandlung der Rosen- in pflegeleichtere Gehölz- oder Rasenflächen spielt bei den Einsparungen somit eine große Rolle. Ebenso sind die vom Fachdienst Grünflächen initiierten extensiven Staudenbepflanzungen ästhetisch und wirtschaftlich sinnvoll. An Orten, an denen stellenweise die Nutzung und die Funktion der Vegetationsflächen beeinträchtigt waren, werden auch Umwandlungen in befestigte Flächen vorgeschlagen. Diese Maßnahmen stellen jedoch den weitaus kleineren Teil des Vorhabens dar.

Die Durchführung notwendiger Sanierungen und Anpassungsplanungen spart Geld
Werden alle Maßnahmen in die Berechnung einbezogen und nach Dringlichkeit priorisiert, liegt laut Berechnung der Pflegeaufwand im untersuchten Bereich vorher bei 2,92 EUR/qm und zukünftig bei 0,85 EUR/qm. Die Amortisationszeiten liegen im Mittel bei vier Jahren. Diese wurden sogar bei der bisherigen Durchführung von drei Maßnahmen deutlich unterschritten.

Beispielrechnung 1:
Umbau der Rosenstreifen in Rasen und auf den Mittelinseln in extensive Staudenpflanzungen. Derzeitige Pflegekosten 10.400,- . Pflegekosten nach Umbau 1.450,- . Umbaukosten ca. 28.100,- . Amortisation innerhalb von 3,1 Jahren.
Altar und Orgel Schifferkirche Arnis Kanzel von 1573 Kanzel von 1573

Beispielrechnung 2:
Umbau der Rosen- und lückenhaften Strauchflächen in extensive Stauden- und geschlossene Strauchflächen. Derzeitige Pflegekosten 6.000,- . Pflegekosten nach Umbau 1.700,- . Umbaukosten ca. 13.800,- . Amortisation innerhalb von 3,2 Jahren.

Die Maßnahmen konnten bislang in Eigenregie vom städtischen Bauhof durchgeführt werden. Aufgrund der bisherigen Erfolge wird das Projekt Zug um Zug fortgesetzt. Auch Michael Menzel, Leiter des Fachdienstes Grünflächen, ist mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden. Generell ist noch zu klären, wie der stark ausgelastete Bauhof durch geeignete Fördermaßnahmen oder Vergaben unterstützt werden kann. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Fachdienst Grün mit großem Engagement die mit Unterstützung des Ingenieurbüros mb Grünmanagement erarbeiteten Einsparmöglichkeiten umgesetzt hat. Möge die zukünftige personelle und finanzielle Situation dazu beitragen, notwendige Investitionen in die langfristige Werterhaltung der Göttinger Grünanlagen zu ermöglichen.
Kirche in Ulsnis Altar mit Orgel
Abb. 10 und 11: Einjährige Blumenmischungen werden abwechselnd in unterschiedlichen Stadtteilen angeboten

mb-Grünmanagement   
Alle Bilder Monika Böhm und Fachdienst Grünflächen Göttingen. Im November 2012
Stadt Göttingen Optimierung der Grünflächenpflege PDF-Datei mit 550 KB

redaktion galk.de, 18. November 2012