Schadinsekten an Bäumen
 

Asiatischer Laubholzbockkäfer


Larve


Starker Fraßschaden

Der Asiatische Laubholzbockkäfer
Anoplophora glabripennis

Der nachstehende Text und die Abbildungen stammen von der Forstl. Bundesversuchsanstalt -Waldforschungs-zentrum- in Wien.  www.fbva.forvie.ac.at

Der asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) gilt zurzeit als gefürchtetstes holzzerstörendes Insekt und wurde im Juli 2001 erstmals in Europa an Ahornbäumen in Braunau am Inn (Oberösterreich) entdeckt. Die Heimat des ALB ist Asien (China, Korea, Taiwan). Wahrscheinlich wurde der Käfer von dort mit befallenem Verpackungsholz eingeschleppt. Seine im Stamm verschiedener Laub-bäume fressenden Larven verursachen nach 1-2jähriger Entwicklung das Absterben der Bäume.

Seine Wirtsbäume sind in China Pappelarten (P.nigra, P.deltoides.), Weide, Ahorn, Erle, Apfel, Mehlbeere, Platane, Kirsche, Birne, Robinie, Sophora und Ulme. In den USA tritt er besonders an Ahornarten und Rosskastanie auf, aber auch an Birke, Esche, Mehlbeere, Tulpenbaum, Pappel und Weide.

Der Käfer ist schwarz mit unregelmäßig verteilten weißen Flecken und langen, schwarzweißen Fühlern (bei Männchen ca. 2,5fache Körperlänge, bei Weibchen ca. 1,3fach).

Der Käfer fliegt von Juni bis Ende Sept./Okt. und ist nach Literaturangaben kein guter Flieger. Nach Beobachtungen des Waldforschungszentrums Wien kann der ALB aber durchaus einige hundert Meter fliegend zurücklegen.

Seine ca. 30 Eier legt das Weibchen einzeln in eingeritzte Taschen an Astverzweigungsstellen und bei schwächeren Bäumen am Stamm. Nach zwei Wochen schlüpfen die Larven, die zunächst im Kambialgewebe später im Holz fressen. Bei einer Entwicklungszeit von 1-2 Jahre durchlaufen sie 11 Larvenstadien. Die beinlosen, creme-farbenen Larven werden bis zu 5 cm lang und 1 cm dick.

Die Eiablagestellen der Käfer ist am Stamm und im Kronenansatzbereich als Nagestellen in der Rinde erkennbar, später am Gummifluß. Der Larvenfraß ist als grobspäniges Bohrmehl am Stammfuß oder an Rindenschadensstellen zu erkennen.
Welkesymptome und Vitalitätsschwächungssymptome (schüttere Belaubung, Blattvergilbung) treten bei starkem Befall und oft erst gegen Ende der Entwicklung auf; dann sterben die Bäume auch ab. Beim Durchschneiden des Holzes zeigen sich riesige Bohrgänge (DM 1-3 cm) im gesamten Holzkörper (Stammbereich und Krone).

Verwechslungsmöglichkeiten
Bei Fraßbild oder Larven bestehen gewisse Verwechs-lungsmöglichkeiten zum Pappelbock und Weidenbohrer.

Gegenmaßnahmen
Bei einem erkannten Befall ist wegen der unkalkulierbaren Risiken zu überlegen, alle Laubbäume im Umfeld der Befallsstelle prophylaktisch zu fällen und das Holz zu schreddern. Da der Käfers nicht sehr weit fliegt, besteht so die hoffnung, die Ausbreitung zu unterbinden.

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Abgestorbener Baum nach Befall durch Agrilus sinuatus


Schlupflöcher von Agrilus sinuatus


Von Agrilus sinuatus besiedelter und geschädigter Baum

Der Birnbaumprachtkäfer
Agrilus sinuatus

Der nachstehende Text wurden vom Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege Rostock bereitgestellt (Fotos: Dieter Bringmann).  Amt 67

In der Bundesrepublik Deutschland kommen ca. 78 verschiedene, größtenteils lt. Bundesnaturschutzgesetz geschützte Prachtkäferarten vor. Sie sind überwiegend wärmeliebend, weshalb die Mehrzahl in den südlichen und mittleren Bundesländern verbreitet ist.
In den letzten Jahren nehmen in unseren Städten Schäden durch Prachtkäfer zu, besonders auffällig durch den Birnbaumprachtkäfer (Agrilus sinuatus), der insbesondere Baum-Rosacaeen wie Crataegus, Malus, Pyrus und Sorbus besiedelt.

Der etwa 10 mm große Birnbaumprachtkäfer ist kupferfarben-metallisch glänzend und hat kurze Fühler. Er befällt geschwächte od. gestresste Bäume, die entsprechende Duftstoffe aussenden, wodurch die Weibchen zur Eiablage angelockt werden. Die Larven minieren an Jungbäumen im Stamm, an Altbäumen zunächst unter der Rinde (Bastschicht) von Ästen. Später dringen sie in den Holzkörper (Splintschicht) ein, um sich zu verpuppen. Die Entwicklung dauert ein Jahr. Je nach Witterungsverlauf erscheinen die voll entwickelten Käfer von Mai bis Juni.

Hauptwirt sind Crataegus-Arten. Der Befall wird meist sehr spät erkannt, wenn bereits Welkeerscheinungen auftreten. Wichtiges Erkennungsmerkmal sind querovale Löcher in der Rinde des Stammes oder stärkerer Äste. Unter der Rinde befinden sich die zickzackartigen Fraßgänge der Larven. Bei Befall führt an Altbäumen meist zum Absterben einzelner Äste und Kronenpartien. Bei starkem Befall des Stammes, häufiger bei Jungbäumen, stirbt der Baum komplett ab.

Gegenmaßnahmen
Wichtigste Maßnahme ist die Vorsorge z.B. durch beste Standortbedingungen. Bei Befall an Altbäumen sind lediglich die betroffenen Äste zu entfernen. Leider fallen dem Birnbaumprachtkäfer immer häufiger ganze Pflanzungen zum Opfer oder Jungbäume müssen mehrfach ausgewechselt werden. Da der Käfer auch vor Baumschulen nicht Halt macht, kann er auch über diesen Weg eingeschleppt werden. Bei der Prüfung von Baumschulware ist daher vermehrt auf Befallssymptome zu achten.
Da es sich um eine sehr wärmeliebende Art handelt und der Befallsdruck immer mehr mit langen Hitzeperioden in Zusammenhang gebracht wird, sollte künftig auch über die Verwendung bestimmter Baumarten nachgedacht werden. So pflanzt das Amt für Stadtgrün Rostock seit einigen Jahren keine Crataegus-Arten mehr.

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Blausieb, oben Weibchen, unten Männchen;
Foto: Pflanzenschutzamt Berlin


adultes Blausieb;
Foto: Pflanzenschutzamt Berlin




Das Blausieb
Zeuzera pyrina

Der nachstehende Text wurden von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bereitgestellt (Fotos: Pflanzenschutzamt Berlin).

Das Blausieb oder auch Kastanienbohrer genannt, ist ein Nachtfalter aus der Familie der Holzbohrer (Cossidae). Es handelt sich um den größten heimischen Kleinschmetterling, der in ganz Europa sehr unterschiedliche Lebensräume, wie Obstgärten, Waldränder, Parkanlagen, Gärten, relativ junge Alleen und Baumschulen besiedelt.

Das Blausieb-Weibchen legt die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an Blattstiele, Knospen oder in Rindenrisse der Wirtsgehölze. Die Larven schlüpfen dann von August bis April und bohren sich in junge Stämme und Äste ein. Dadurch wird das Gehölz oftmals so stark geschädigt, dass es abstirbt. Insbesondere Obstplantagen sind gefährdet. Je älter die Larven werden, desto dicker sind die Äste, die sie befallen. Schließlich hat sich die Larve einen Gang geschaffen, der ca. 30 Zentimeter lang und ca. einen Zentimeter breit ist und in der Regel von oben nach unten verläuft. An dessen Ende befindet sich die Puppenkammer, in der die Larve kopfüber überwintert. Im Frühjahr erfolgt die Verpuppung. Zum Schlüpfen kriecht die Puppe nach oben und durchstößt einen aus Spänen und Gespinstfäden hergestellten Pfropfen. Ihre Entwicklung dauert zwei bis drei Jahre. Die Falter, die sich aus ihr entwickeln sind nachtaktiv und fliegen von Anfang Juni bis Ende August.

Die Flügelspannweite der Weibchen beträgt ca. 35 bis 70mm, Männchen: ca. 16 m; die Flügel haben eine weiße Grundfärbung mit dunkel blau-schillernden Punkten, mehr oder weniger regelmäßig angeordnet. Der Thorax trägt zwei Reihen mit jeweils drei blau-schillernden Punkten Die Fühler der Männchen sind nur bis zur Hälfte beidseitig gekämmt, darüber hinaus fadenförmig, die Fühler der Weibchen nur fadenförmig.
Die Larve ist ca. 50 mm lang, gelb gefärbt und trägt kräftige Mundwerkzeuge. Der Kopf ist dunkelbraun mit Nackenschild und dunkelbraunen Punktwarzen am Körper sowie mit feinen, kurzen Borsten.

Ein Befall mit Blausieb ist fast von allen einheimischen Laubbaumarten bekannt. Die Raupen ernähren sich vom Holz von ca. 150 verschiedener Laubbaumarten, wie Rotbuche, Kulturapfel, Faulbaum, Gemeine Esche, Rosskastanie, Birke, Eiche, Birne, Apfel, Zitterpappel, Ulme, und Erle, aber auch von Mistelzweigen. Junge Pflanzen und dünne Äste werden bevorzugt. Schlimme Schäden verursacht das Blausieb, wenn es die Stämme von Obstbäumen und jungen Baumschulpflanzen befällt, da die Jungpflanzen in der Folge eingehen können. Der Befall älterer Bäume ist weniger gravierend, da in der Regel nur einzelne Äste befallen werden. Am häufigsten werden Jungbäume bis zu einem Alter von 10 Jahren befallen.

Verwechselungsgefahr
Das Fraßbild des heimischen Blausiebs ähnelt den Fraßschäden des eingeschleppten Asiatischen Laubholzbockkäfers.

Gegenmaßnahmen
Kot und Holzteilchen unter dem Bohrloch sowie das spätere Welken und Absterben von Blättern, Trieben und Ästen zeigen den Blausiebbefall an. Sofern einzelne Äste betroffen sind, können diese durch Schnitt entfernt werden. Eine Bekämpfung der im Holz befindlichen Larven mittels Pflanzenschutzmitteln ist nicht möglich.

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Der Citrusbockkäfer
Anoplophora chinensis

Der nachstehende Text wurden von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bereitgestellt (Fotos: Pflanzenschutzamt Berlin).

Der Citrusbockkäfer (CLB) ist in China, Korea und Japan heimisch, kommt aber auch in Taiwan, Indonesien, Malaysia, Burma, Vietnam und auf den Philippinen vor. Er ist als Schädling gefürchtet, da er über 100 Laubholzarten befällt, vor allem Citruspflanzen. Er tötet gesunde, vitale Bäume innerhalb weniger Jahre ab und wurde daher in Europa als Quarantäneschaderreger eingestuft.

In Europa wurde der Citrusbockkäfer erstmals zur Jahrtausendwende in Norditalien in der Nähe von Mailand (Parabiago) gefunden. Vermutlich wurde er aus Asien mit befallenen Bonsaipflanzen eingeschleppt. Seitdem hat er sich in Norditalien, wo sich zahlreiche Baumschulen befinden, etabliert. Sofern aus diesem Gebiet Gehölze in Töpfen oder Ballen geliefert werden, besteht das Risiko der Einschleppung des Käfers. Seit 2003 wurden wiederholt einzelne Käfer in europäischen Staaten gefunden. 2008 mussten in Deutschland Tausende Fächerahorne, die im Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden sollten, vernichtet werden, weil bis zu 30% mit dem CLB befallen waren. 2009 wurde ein einzelner Käfer auch in Berlin gemeldet.

Ein Käfer-Weibchen legt in seinem Leben bis zu 200 Eier ab und beginnt damit etwa 10 Tage nach dem Schlüpfen. Für die Eiablage schneidet es mit den Mundwerkzeugen Schlitze und kleine Trichter in die Rinde von Wurzelanläufen, oberirdischen Wurzeln und der Stammbasis. Günstig sind Temperaturen über 20C.
Die Larven des Käfers leben ein bis zwei Jahre verborgen im Holz der Wirtsbäume. In Europa schlüpfen die Larven des Käfers von Anfang Juni bis August. Sie fressen zunächst im saftigen Phloem unter der Rinde. Später werden unregelmäßige Larvengänge mit einem Durchmesser von 1,5 bis 2 cm ins Wurzelholz gefressen. Die Larvengänge gehen tief ins Holz und unterbrechen den Saftfluss des Gehölzes, wodurch die Holzfestigkeit verringert und die Bruchgefahr erhöht wird. Der Befall ist äußerlich nur anhand der ausgeworfenen Bohrspäne sichtbar. Der Käfer bohrt sich aus dem Baum heraus und hinterlässt dabei Löcher, die bis zu 1,5 cm groß sind. Durch den anschließenden Fraß an Blättern, Blattstielen und der Rinde von Zweigen, kann es zu Welkeerscheinungen des Gehölzes kommen. Die Hauptaktivität des Käfers (Flug, Fraß, Paarung) ist am Tag. Er lebt bis zu zwei Monaten. Der Käfer erscheint glänzend schwarz mit unregelmäßigen hellen Flecken auf den Flügeldecken. Er ist 21-37 mm groß mit langen, schwarz-hellblau gestreiften Fühlern, doppelt so lang wie der Körper. Dei Larve ist beinlos, weiß bis cremefarben mit bräunlicher Zeichnung auf dem Prothorax und bis 60 mm lang und 10 mm dick. Wirtspflanzen sind nahezu alle Laubbaumarten, vor allem Ahorn, aber auch Platane, Birke, Hainbuche, Buche, Kastanie. Ferner werden Citruspflanzen, Obstbäume, Ziergehölze und Rosen befallen.

Verwechselungsgefahr
Der Citrusbockkäfer (CLB, Anoplophora chinensis) kann mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB, Anoplophora glabripennis) verwechselt werden. Auch dieser befällt gesunde Laubbäume, bringt diese zum Absterben und gilt als Quarantäneschädling für die EU. Trotz großer Ähnlichkeit können die beiden Anoplophora-Arten mit etwas Übung differenziert werden. So hat der Citrusbockkäfer im Gegensatz zum Asiatischen Laubholzbockkäfer zwei helle Flecken auf dem Halsschild.
Heimische Bockkäfer, die zum Teil unter Schutz stehen, weisen einen ähnlichen Körperbau auf, haben aber nicht die charakteristische Flügelfärbung des ALB oder CLB. Im Verdachtsfall sollten Käfer oder Larven lebend für den zuständigen Pflanzenschutzdienst aufbewahrt werden, um eine Bestimmung zu erleichtern und ggf. die heimische Bockkäferpopulation zu schützen.

Gegenmaßnahmen
Eine Ausrottung des Käfers oder zumindest eine Eindämmung des Befalls ist nur durch frühzeitiges Erkennen und sofortiges Handeln möglich, erfordert aber sowohl die Mithilfe der Bevölkerung als auch der Fachleute. Ein Verdachtsfall ist umgehend dem zuständigen Pflanzenschutzamt zu melden. Befallene Bäume, die ohnehin nach einigen Jahren absterben, müssen unbedingt gefällt und deren Wurzelsysteme gerodet werden.
Zum Schutz gegen die Einschleppung und Verbreitung des Citrusbockkäfers hat die EU-Kommission den Durchführungsbeschluss 2012/138 EG erlassen. Danach kann ein Befall die Beseitigung der betreffenden Gehölze erforderlich machen. Des Weiteren sind Befalls- und Pufferzonen einzurichten sowie ein Befall oder Befallsverdacht dem zuständigen Pflanzenschutzamt zu melden. Bei der Einfuhr von Wirtspflanzen muss die Befallsfreiheit bescheinigt werden. Die Verwendung anfälliger Pflanzen aus einer Pufferzone ist nur mit einem Pflanzenpass möglich.

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Abb. 1: Kahlfraß durch Befall mit Eichenprozessionsspinner


Abb. 2: Absaugung der Raupennester am Stamm, Pflanzenschutzamt Berlin


Abb. 3: Gespinnstnest des Eichenprozessionsspinners


Abb. 4: Beispiel eines Spezialsauggerätes

Eichenprozessionsspinner
Thaumetopoea processionea L.

Der nachstehende Text stützt sich auf Erfahrungsberichte aus den Kommunen Nürnberg, Stuttgart, Berlin, Mannheim und Hamburg.  

Vorgeschichte
Seit Mitte der 1990er Jahre bereitet der Eichenprozessionsspinner in Süddeutschland den betroffenen Kommunen große Probleme, bei starkem Befallsanstieg nach dem extrem trocken-warmen Sommer 2003. Einerseits werden die heimischen Eichenarten beeinträchtigt, andererseits gefährden die Gifthaare der Raupen die Gesundheit der Menschen.

Schaderreger
Der Eichenprozessionsspinner ist ein sommeraktiver Nachtfalter. Anfang Mai schlüpfen die Jungraupen, die bis zur Verpuppung sechs Larvenstadien durchlaufen. Ab Stadium 3 (Mai/Juni) werden mikroskopisch feine Gifthaare mit hoher Haltbarkeit entwickelt. Sie besitzen Widerhaken, brechen leicht ab und können sich bei trockenem Wetter über weite Strecken verbreiten. Im späten Larvenstadium legen die Raupen die typischen Gespinstnester in Astgabeln oder auf den Stämmen ab (Abb. 3), die nachts zur Nahrungsaufnahme in langen, mehrreihigen 'Prozessionen' verlassen werden. Die Verpuppung erfolgt in diesen Raupennestern, in denen sich die gefährlichen Haare befinden, die über lange Zeit Ihre allergische Wirkungen behalten.

Die Eichen besitzen ein hohes Regenerationsvermögen, weshalb selbst bei Kahlfraß (Abb. 1) eher geringe Schäden bleiben. Zu Vitalitätseinbußen führen erst mehrmalige Kalamitäten in Folge.
Von weitaus größerer Bedeutung sind die gesundheitlichen Gefahren, die für den Menschen von den Gifthaaren ausgehen. Sie lösen starke allergische Reaktionen aus.

Folgende Krankheitserscheinungen können auftreten:

  • Juckende, entzündliche Hautreaktionen: Besonders betroffen sind dünne Hautpartien im Gesicht, am Hals und an den Arminnenseiten. Diese Hautreaktionen dauern ca. 7-14 Tage, wobei alle Hautpartien betroffen sein können, die nicht geschützt waren.

  • Entzündungen der Atemwege: Die Gifthaare sind lungengängig. Es kann zu Entzündungen im Rachenraum, zu Schwellungen der Nasenschleimhäute, zu Bronchitis, zu asthmatischen Symptomen bis hin zum allergischen Schock kommen.

  • Entzündungen der Augen: Es können Bindehautentzündungen, Schwellungen der Augenlider etc. auftreten. Dringen die Gifthaare ins Augeninnere ein, kann dies zu schweren Entzündungen führen.

  • Alle Krankheitserscheinungen können von Schwindel, Fieber, Müdigkeit und allgemeinem Krankheitsgefühl begleitet sein. Daher sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht und auf den Kontakt mit den Raupenhaaren hingewiesen werden sollte.

Gegenmaßnahmen
Neben dem Einsatz von Bioziden, z.B. mit dem Wirkstoff Diflubenzuron, gibt es weitere Bekämpfungsmaßnahmen:
Vermeidung bzw. Sperrung von befallenen Arealen:
- Diese wirkungsvolle Maßnahme ist in Städten schwer durchzusetzen, da sie ein hohes Maß an Aufklärungsarbeit und intensiver Bürgerinformationen erfordert
Mechanische Bekämpfung:
- Entfernung der Nester durch Wasserstrahl oder Abflammen - Absaugen der wandernden Raupen (Abb. 2)
- Anbringung von Leimstreifen am Baumstamm
- Einsatz von Bindemitteln
- Entfernung der verlassenen Nester
Biologische Bekämpfung:
- Ausbringung von Bacillus thuringiensis var. kurstaki

mehr Details über die Schwächen und Stärken der Bekämpfungsmöglichkeiten >>

Konsequenzen für die Kommunen
Da alle Bekämpfungsmethoden Vor- und Nachteile haben, werden in vielen Kommunen unterschiedliche Maßnahmen gleichzeitig angewendet. In Nürnberg und Berlin werden ausschließlich die verschiedenen mechanischen, in Stuttgart und Mannheim sowohl mechanische als auch biologische Bekämpfungsmethoden angewandt. In den genannten Kommunen wird die Ausführung überwiegend an Fremdfirmen vergeben.
Nürnberg und Stuttgart haben einen großen Bestand an einheimischen Eichen und leider auch einen hohen Befall des EPS zu verzeichnen, sodass hier jährlich erhebliche Haushaltsmittel für die Bekämpfung bereitgestellt werden müssen. In Stuttgart werden derzeit die befallenen Eichen kartiert, damit die Bekämpfung im Frühjahr schneller und gezielter erfolgen kann.

Für eine rechtzeitige Bekämpfung müssen die betroffene Kommune schon im Mai einen hohen Kontrollaufwand betreiben. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld ist unverzichtbar und oftmals sind auch zeitaufwendige Erläuterungen vor Ort notwendig. Die Stadt Stuttgart hat hierzu eigens ein Flugblatt zur Bürgerinformation erarbeitet, das über die Bezirksämter, das Rathaus oder das Gesundheitsamt verteilt wird.

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eingesponnener Strauch


eingesponnener Strauch


Larven im Gespinnst

Gespinstmotte
Yponommenta evonymella, Y.padella, Y.malinellus, Y.cagnagella

Erfahrungsbericht aus der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Fotos Hamburg.

Schaderreger und Symptome
In den Monaten Mai/Juni sind vielerorts gespinstartige Netze in Sträuchern und Baumkronen festzustellen. Verursacher dieser punktuell auftretenden Gespinste sind Gespinstmotten, die u.a. am Weiß - und Rotdorn, an Traubenkirsche, verschiedenen Obstgehölzen und am Pfaffenhut vorkommen. Diese, zu den Nachtfaltern zählenden Motten sind etwa 10 Millimeter große sehr schlanke Schmetterlinge und weisen eine Flügelspannweite von bis zu 20 Millimetern auf.

Ihre Eiablage erfolgt überwiegend an dünnen Zweigen in den Monaten Juli und August. Die Raupen schlüpfen im Herbst und verbleiben bei der Überwinterung unter einer Sekretschicht. Meist im darauf folgenden April beginnt der Fraß am austreibenden Laub. Anfang Mai erfolgt der Bau der gespinstartigen Netze. Durch die enormen Fraßschäden werden die Gehölze in ihrer Vitalität eingeschränkt, treiben i.d.R. jedoch im Folgejahr wieder aus. Ein Absterben der befallenen Bäume wurde bisher nicht beobachtet. Natürliche Gegenspieler sind Vögel und verschiedene Insektenarten, die sich von Gespinstmotten und deren Raupen ernähren.

Konsequenzen für die Kommune
Die durch die Raupen verursachten Kahlfraßschäden werden von der Öffentlichkeit mit Besorgnis wahrgenommen und werden z.T. mit dem für den Menschen gefährlichen Eichenprozessionsspinner verwechselt. In der Verantwortung der Kommune liegt demzufolge eine gute Öffentlichkeitsarbeit z.B. in Form von Pressemitteilungen. Dies trägt wesentlich zur Aufklärung besorgter Bürger bei.

Die Bekämpfung der Gespinstmotten kann an ausgewählten, besonders intensiv genutzten Stellen u. a. mit einem scharfen Wasserstrahl erfolgen. Wenn Bacillus thuringiensis zum Einsatz kommen soll, ist dies in jedem Fall mit dem zuständigen Pflanzenschutzamt abzustimmen. In den meisten Fällen regulieren sich die Populationen innerhalb kurzer Zeit jedoch von selbst, so dass auf eine Bekämpfung i. d. R. verzichtet werden kann.

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Bohrgänge im Eichenstammquerschnitt


freigelegte Bohrgänge an Eichenstamm


Heldbock, adultes Tier

Der Heldbock (Großer Eichenbock)
Cerambyx cerdo

Erfahrungsbericht des Fachbereichs Grünflächen und Umwelt der Stadt Mannheim
Quellen: http://de.cyclopaedia.net/wiki/Grosser-Heldbock und www.natura2000.rlp.de/steckbriefe/.

Schaderreger und Symptome
Bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts war der Heldbock in Mitteleuropa weit verbreitet und ein gefürchteter Schädling im Forst, der mit vielen Mitteln bekämpft wurde. Heute tritt er nur noch in kleinen inselartigen Arealen auf und sein Vorkommen ist auf wenige Brutbäume beschränkt. Deshalb gehört der Heldbock, auch großer Eichenbock genannt, zu den stark gefährdeten Arten und ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und seit 1992 in die Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) aufgenommen.

Der Heldbock ist die zweitgrößte Käferart in Mitteleuropa. Es weist eine Körperlänge von 3-5,5 cm auf und eine Breite von 1-1,5 cm. Die knotigen Fühler bei den Weibchen sind maximal so lang wie die Körper, bei den Männchen können Sie 10 cm lang werden. Die Flügeldecken sind braunschwarz und zum hinteren Ende rotbraun gefärbt.

Lebensraum
Der Heldbock besiedelt geschwächte Alteichen (bevorzugt werden Eichen mit einem Stammumfang > 1 m), vor allem Stieleichen, die in besonnten, warmen Lagen als Solitärbäume stehen z. B. in Parks, Alleen, Waldrändern oder locker strukturierten Eichenwäldern ohne Unterwuchs. Die gesamte Entwicklung von Ei über die Larve bis hin zur Verpuppung findet im Baum statt. Die Entwicklungsdauer beträgt zwischen 3 bis 5 Jahren. In abgestorbenen Eichen können die Käfer ihre Entwicklung nicht mehr starten, aber beenden. Obwohl die Käfer flugfähig sind, bleiben sie meist dem Brutbaum treu, bis dieser abgestorben ist. Normalerweise ist dies ein Prozess, der langsam vonstatten geht. In Mannheim wurden Brutbäume beobachtet, die innerhalb von 1-2 Jahren nach Befall abstarben. Da der Einzelbaum ein zeitlich begrenztes Habitat darstellt, kann allein diese Tatsache zu einem lokalen Absterben der Käferpopulation führen, wenn kein anderer geeigneter Brutbaum in der Nähe ist.

Merkmale und Handlungshinweise für den Verkehrssicherungspflichtigen
Die befallenen Bäume sind an den charakteristischen daumendicken Bohrgängen im Kronen- und Stammbereich zu erkennen und dem ausrieselnden Bohrmehl an Stamm und Stammfuß.
Die Besiedelung und das Absterben der Bäume stellen, je nach Standort des Baumes, ein Problem für die Verkehrssicherheit dar. Da der Heldbock unter Schutz steht, ist bei einem Eingriff in den Brutbaum eine artenschutzrechtliche Befreiung bei der zuständigen höheren Naturschutzbehörde einzuholen. Unter Berücksichtigung des Artenschutzes müssen im Einzelfall vertretbare Sicherungsmaßnahmen erarbeitet und vorab mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden. Dies können z. B. auch gezielte Rückschnitte in der Krone bis hin zur Belassung eines Torso sein.
Ist die Fällung unumgänglich, sollte der Stamm auf einzelne Unterlagen abgelegt werden, um den Bodenkontakt zu vermeiden, damit sich die im Stammholz befindlichen Larven noch fertig entwickeln können. Der Bodenkontakt muss vermieden werden, damit Asseln und andere Kleinlebewesen nicht in den Stamm eindringen und das Substrat der Heldbocklarven zerstören.

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Adulte Malvenwanze. Unter dem Kopf ist der Saugrüssel sichtbar


Kolonie von adulten Tieren (mit silbrigen Flügelmembranen) und Larven (rot und flügellos)


Starke Kolonie an einem Lindenast

Die Malvenwanze
Oxycarenus lavaterae

Der nachstehende Text und die Abbildungen sind in Gemeinschaftsarbeit der Stadtgärtnerei Basel und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft verfasst.  www.wsl.ch

Vor allem im Herbst und Winter tritt die Malvenwanze in oft großen Ansammlungen von rot gefärbten und silbern glänzenden Wanzen an Stämmen und Ästen der Linde auf.

Die Malvenwanze ist eine mediterrane Art. Die Larven sind flügellos und auffällig rot gefärbt, die adulten Tiere sind schwarz/rot gefärbt und ihre Flügelmembranen glänzen silbern. Larven und Adulttiere saugen an Trieben und Ästen, in Mitteleuropa vor allem an Linden.
Die Wanzen halten sich in grossen Kolonien an der Rindenoberfläche auf. Wenn die Kolonien durch die Vermehrung grösser werden, spalten sich neue Kolonien ab. Im Sommer saugen sie in der Baumkrone, im Herbst sammeln sie sich am Stamm und an dicken Ästen zum Überwintern.

Für die befallenen Bäume stellt der Befall kein spezielles Risiko dar. Sie werden allerdings bei länger dauerndem starkem Befall geschwächt. Von grösserer Bedeutung ist die Belästigung von Personen durch die Massenvermehrungen. Die Kolonien können im Herbst auf Parkbänken, an Fassaden und Balkonen zu finden sein, selbst in Wohnungen dringen sie ein. Ausser ihrem unangenehmen Geruch sind sie jedoch harmlos.

Verwechslungsmöglichkeiten
Verwechslungsmöglichkeiten bestehen zur Feuerwanze. Sie ist ebenfalls häufig bei Linden anzutreffen, jedoch eher am Boden. Sie ist rot gefärbt und weist zwei schwarze Punkte und weitere schwarze Flecken auf.

Gegenmaßnahmen
Aus Sicht der Baumgesundheit sind keine Massnahmen nötig. Im Siedlungsraum können sowieso keine Pestizide eingesetzt werden. Mit Wasser abgespritzte Stämme werden schnell wieder besiedelt. Die Malvenwanze ist im Zuge der Klimaerwärmung über den Balkan und Österreich nach Mitteleuropa eingewandert. Sie trat im Herbst 2004 in der Stadt Basel erstmals mit einer Massenvermehrung in Erscheinung.

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Der Moschusbock
Aromia moschata L.

Der nachstehende Text und die Fotos wurden vom Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege Rostock bereitgestellt (Foto: Antje Schwarzer).

Weltweit gibt es ca. 27.000 Bockkäferarten, wovon knapp 200 Arten in Deutschland vorkommen. Viele dieser Arten sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Auch der Moschusbockkäfer (Aromia moschata L.) zählt hierzu, in einigen Bundesländern steht er bereits als bedrohte Art in der Roten Liste. Laut BRINGMANN befindet sich die größte Population des Moschusbockkäfers in der Hansestadt Rostock.

Der Moschusbock trägt seinen Namen nach dem charakteristischen Moschusduft, den dieser aus den Hinterbrustdrüsen absondert. Die ausgewachsenen Käfer können 15-35mm lang werden und haben einen metallisch glänzenden Körper (von Kupfer- über Bronzefarben bis hin zu Blauviolett und Grün). Männchen und Weibchen können gut unterschieden werden, da bei den männlichen Käfern die Fühler länger sind als der Körper, bei den weiblichen Käfern sind diese kürzer oder körperlang. Die Weibchen legen ihre Eier in die Rindenrisse von leicht kränkelnden Weiden ab. Bis zu 50 Eiern werden produziert und daraus entwickeln sich Larven, die durchschnittlich drei Jahre im Holz der Äste und Stämme leben. Die Fraßgänge der Larven im Holz sind oval und im Durchmesser 6-13mm groß. Im Frühsommer des dritten Jahres verpuppen sich die Larven und nach erfolgter Umwandlung erscheinen die Käfer. Deren Flugzeit dauert in unserem Gebiet von Mitte Juni bis Mitte September. Die Käfer sind tagaktiv und halten sich hauptsächlich an den Brutgehölzen auf. Besiedelt werden nur lebende Bäume, der Moschusbock entwickelt sich im Frischholz. Die Käfer naschen gelegentlich am austretenden Saft von Weiden, Ahorn und Birken. Die Larven fressen das Holz von Weiden, dabei nehmen sie Salizylsäure mit der Nahrung auf, was dann bei der chemischen Umwandlung in den Duftdrüsen zum typischen Moschusgeruch führt.

Hauptnahrungspflanzen im Rostocker Raum sind: Kübler-Weide (Salix x smithana); Sal-Weide (Salix caprea und seltener: Grau-Weide (Salix cinerea) sowie die Silber-Weide (Salix alba). Dabei werden der Sonne ausgesetzte Stämme und dicke Äste im Kronenbereich bevorzugt (BRINGMANN). Die Abholzung besiedelter Weiden ist die Hauptursache für den Rückgang der Käferbestände.

Maßnahmen
Wie bereits erwähnt, legen die Weibchen ihre Eier in Rindenrisse kränkelnder Weiden, dabei ist dann die Bruchsicherheit des Baumes, durch geschädigte Äste, gefährdet, was an Wegen zu Einschränkungen der Verkehrssicherheit führen kann. In solchen Fällen, sollte nach Möglichkeit nur ein Entlastungsschnitt zur Verringerung der Windlast erfolgen. Falls der Baum gefällt werden muss, können auch vitale und mit Larven besetzte, dicke Äste in den Erdboden gesetzt werden. Bei notwendigen Baumfällungen ist der Fällzeitpunkt zu berücksichtigen. Damit zumindest die Käfer überleben, sollte dieser nicht vor Anfang September erfolgen. Die rechtzeitige Verjüngung der Bestände sowie Neupflanzungen in unkritischen Bereichen in der freien Landschaft mit Sal-Weiden, vor allem an sonnig, geschützten Stellen schützen die Käfer, genau wie die Durchführung eines Pflanzprogramms von mind. zehnjähriger Dauer, vor dem Aussterben. Bei allen Eingriffen an mit Bockkäfern besetzten Bäumen ist eine naturschutzrechtliche Genehmigung, nach BNatSchG 44 und BArtSchV Anlage 1, notwendig.

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Die Platanennetzwanze
Corythucha ciliata

Quellen: Hoffmann, H. J.: Zum Auftreten der neozotischen Platanengitterwanze in NRW. Naturschutz-Mitteilungen 1/07, S. 48-50
www.hortipendium.de/Platanennetzwanze
www.arbofux.de/platanennetzwanze.html.

Schaderreger
Die Platanennetzwanze (auch Platanengitterwanze genannt) ist ein Neozoon und gehört zu den Wanzen. Die Art wurde 1964 von Nordamerika nach Italien eingeschleppt, von wo sie sich weiter ausbreitete. 1983 wurde sie erstmals im Deutschen Süden gesichtet. Die Platanennetzwanze lebt nur auf Bäumen der Gattung Platanus und bevorzugt wärmere Gebiete. Keine Verwechslungsmöglichkeit mit anderen Tieren.
Die Platanennetzwanze ist ca. 4 mm groß. Die Vorderflügel und der Vorderkörper der erwachsenen Tiere zeigen ein weißes Gitterwerk, während der Hinterkörper schwarz gefärbt ist. Die Vorderflügel haben einen dunklen Mittelfleck. Larven und ausgewachsene Tiere sind zahlreich auf der Blattunterseite der Platane zu finden. Auf einer Blattunterseite können bis zu 300 Tiere gefunden werden.

Die erwachsenen Tiere überwintern unter den für die Platane typischen Borkenschuppen der Rinde. Ende April / Anfang Mai legen die Weibchen ihre Eier mit einem Legestachel in die Blätter. Die Entwicklung zum erwachsenen Tier dauert zwei Monate. Die jungen Larven häuten sich im Laufe des Sommers mehrfach. Die Larven sind von ähnlicher Größe wie die erwachsenen Tiere, jedoch deutlich dunkel gefärbt und besitzen eine seitlich angeordnete Dornenreihe. Ein Puppenstadium wird nicht ausgebildet, die Tiere durchlaufen wie alle Wanzen eine unvollständige (hemimetabole) Entwicklung. Auffallend sind die Häutungsreste (Exuvien) sowie die glänzenden, dunklen bis schwarz gefärbten Kottröpfchen. Alle Stadien saugen an den Blättern auf der Blattunterseite. Bis zu 2 (3) Generationen können auftreten.
Die Tiere fliegen nicht weit, werden jedoch über den Wind oder entlang von Verkehrstrassen verbreitet.

Schadbild und Gegenmaßnahmen
Die Blätter zeigen aufgrund der Saugtätigkeit anfänglich Aufhellungen entlang der Blattrippen. Mit fortlaufendem Befall nehmen diese Aufhellungen zu, so dass die Blätter fahl gelb bzw. hellbeige erscheinen. Stark befallene Bäume können in ihrer Entwicklung deutlich gehemmt werden. Ein Absterben der Bäume wurde bisher nicht beobachtet.
Der Einsatz von Insektiziden verbietet sich in der Regel, da die Platanen zumeist im dicht besiedelten Bereich vorkommen. Optimale Wachstumsbedingungen stärken die Bäume.

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Adulter Falter.


geöffnete Puppenwiege mit Puppe in einem Kastanienblatt


Schadbild durch Larvenfraß der Rosskastanien-Miniermotte


Schadbild durch den Blattbräune-Pilz Guignardia aesculi

Die Rosskastanien-Miniermotte
Cameraria ohridella

Der nachstehende Text und die Abbildungen sind im Rahmen des HAM-CAM-Projektes (Hamburger Cameraria Projekt) entstanden.

Rosskastanien zählen zu den auffälligsten und beliebtesten Straßen- und Parkbäumen. Aber in den letzten Jahren geben vor allem die weißblühenden Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) schon im Sommer ein trauriges Bild ab, ihre Blätter sind fleckig oder bereits braun und fallen ab.

Übeltäter ist die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella), die erstmals 1984 in Mazedonien nachgewiesen wurde. Mit dem Fern- und Güterverkehr hat sie sich Jahr für Jahr weiter verbreitet, was ihr den Spitznamen 'Trampermotte' eingebracht hat. Es muss mit ihrer weiteren Ausbreitung gerechnet werden.

Biologie
Wie bei vielen eingeschleppten Schädlingen fehlen der Rosskastanien-Miniermotte bei uns die natürlichen Feinde und die Ausbreitung erfolgt nahezu ungehindert. Aus den im Falllaub überwinternden Puppen schlüpfen im Mai die ersten Miniermotten und legen zwischen 30 und 50 Eier auf den jungen Kastanienblättern ab. Sobald die Larve schlüpft, bohrt sie sich unter die Epidermis und frisst das Zellgewebe zwischen Blattober- und Unterhaut. Dabei entstehen typische Fraßminen, die sich mit der Zeit bis an die Blattadern ausweiten. Hier verpuppt sich die Larve für ca. 12 Tage bis der neue Schmetterling schlüpft. So bringt es die Trampermotte im Jahresverlauf im Norden auf drei, im Süden ggf. auf vier Generationen. Wenn sich während des Sommers die zweite und dritte Generation überlagern, erreicht der Befall seinen Höhepunkt. Trotzdem werden Kastanien nicht aus dem Stadtbild verschwinden.

Verwechslungsmöglichkeiten
Ähnliche Symptome bei der Rosskastanie verursacht auch ein Blattbräunepilz (Guignardia aesculi), wobei die Blattflecken jedoch über die Blattadern hinaus gehen. Der Pilz hat das gleiche Verbreitungsgebiet und tritt allein oder gemeinsam mit der Motte auf. Während sich der Befall durch die Motte von der unteren Krone nach oben ausbreitet, beginnt der Pilzbefall im oberen Kronenbereich.

Gegenmaßnahmen
Im Stadtgebiet kann der Schädling selbstverständlich nicht mit Giften bekämpft werden. Da auch keine vorbeugenden Maßnahmen bekannt sind, bleibt die einzige Bekämpfungsmethode, das abfallende Laub vollständig zu entfernen. Auch mit dieser Methode werden wir den Schädling nicht wieder los, aber der Befallsdruck sinkt deutlich. Weil der Höhepunkt des Mottenbefalls erst spät im Sommer liegt, können die Kastanien bis dahin ausreichend Kraft sammeln, um auch nach mehreren Befallsjahren noch kräftig auszutreiben. Allerdings werden geschwächte Bäume empfindlicher gegen weitere Schädlinge und Krankheiten, weshalb wir den Schädling sehr ernst nehmen müssen.

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Besiedelte Bäume, 2009.


Befallener Baum einer Weihnachts-baumkultur, 2009.


Schadbild in Detailansicht



Die Sitkafichtenlaus (Fichtenröhrenlaus)
Elatobium abietinum

Der folgende Text und die Fotos sind im Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege Rostock entstanden. (Fotos: Dieter Bringmann und Jörg Hamuth; Rostock 2009).

In den vergangenen 2 Jahren bestimmten kahle und verbräunte Fichten das Bild in vielen Rostocker Vorgärten und Waldflächen. Ursache war die Sitkafichtenlaus oder Fichtenröhrenlaus (Elatobium abietinum). Diese ist in Nordamerika heimisch und wurde Anfang der 60er Jahre aus den USA eingeschleppt. Mittlerweile kommt sie in weiten Teilen Europas vor.

Zu den Wirtspflanzen gehört fast ausschließlich die Gattung Picea, insbesondere Picea sitchensis, Picea pungens, Picea omorika, aber auch Picea abies und Picea engelmannii. Dabei wird der vorjährige Nadeljahrgang gelbgrün, z .T. gebändert, die Nadeln verbräunen und fallen ab, wobei ein wiederholter Befall die Bäume von innen nach außen verkahlen lässt und ihre Regenerationsfähigkeit und den Triebzuwachs stark vermindert. Lediglich der letzte Jahrestrieb bleibt unbeschädigt. Auch ist ein Absterben der Bäume dann möglich. Im Rostocker Stadtforstamt wurden mit dem starken Befall ca. 5 Hektar Weihnachtsbaumkultur unbrauchbar. Solitärbäume in Grünanlagen oder Vorgärten im gesamten Stadtgebiet mussten ebenfalls sehr zahlreich gefällt werden, da derart braune und kahle Bäume keine gestalterisch anspruchsvolle Funktion mehr erfüllen können.

Biologie
Die Laus ist ca. 1 - 2 mm groß und von grüner bzw. schmutzig grüner Farbe. Sie besitzt auffällig rote hervorstehende Augen. Sie bevorzugen lichtgeschützte Bereiche im Baum und saugen an der Unterseite der Altnadeln. Im März/April schlüpfen die Larven aus den Eiern, die einzeln an den Nadeln oder an der Zweigrinde überwintert haben. Nach ca. 3 Wochen entwickeln sich daraus fortpflanzungsfähige Stammmütter. Im Mai entstehen geflügelte Weibchen, die für eine weitere Ausbreitung sorgen, bevor im Juni/Juli ein Zusammenbruch der Population durch höhere Sommertemperaturen, veränderte Saftzusammensetzung im Leitgewebe und die Zunahme natürlicher Feinde erfolgt. Im Oktober gibt es dann einen erneuten Populationsanstieg.
Die adulten Tiere sind in der Lage, an der Wirtspflanze zu überwintern; lediglich ein Absinken der Temperatur unter -14C bringt die Läuse zum Absterben. In milden Wintern beginnen die Tiere sofort mit der ungeschlechtlichen Vermehrung (lebende Jungtiere), die sich in milden Frühjahren fortsetzt und somit für ein Massenaufkommen sorgt.

Gegenmaßnahmen
Besonders gute Wachstums- bzw. Kulturbedingungen am Standort beugen einem Befall vor, weil die Bäume weniger Stressfaktoren ausgesetzt sind und damit eine erhöhte Widerstandskraft entwickeln. Bei den Picea-Arten ist dies vor allem eine optimale Wasserversorgung vor allem auch im Winter und Frühjahr.
Zu den natürlichen Feinden der Sitkafichtenlaus gehören u.a. Marienkäfer, Florfliegenlarven, Schlupfwespen und Schwebfliegenlarven, die sich jedoch naturgemäß zeitverzögert entwickeln und somit die Massenvermehrung und Schädigung nicht verhindern können. Allerdings hoffen die Rostocker Stadtgärtner und Förster auf eine deutliche Eindämmung der Läuse durch das Massenaufkommen an Marienkäfern im Jahre 2009 im Norden Deutschlands. Eine Bekämpfung mit Insektiziden ist im öffentlichen Grün praktisch kaum durchführbar und kommt, wenn überhaupt, nur in besonderen Einzelfällen in Frage.

So verbleibt momentan nur die Fällung stark geschädigter Bäume. Im Bestand sollten die betroffenen Bäume zuden regelmäßig beobachtet werden, da der Befall nicht immer zwangsläufig zum Absterben führt. Von den Pflanzenschutzämtern kam zusätzlich der Hinweis, dass die Widerstandsfähigkeit der Picea-Arten sehr unterschiedlich ist. Speziell bei P.sitchensis gibt es je nach Herkunft deutliche Unterschiede bezüglich der sekundären Inhaltsstoffe, der chemischen Struktur und der Nadeloberfläche. Diese Eigenschaften könnten sehr gut für Resistenzzüchtungen genutzt werden.

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abgestorbene weibliche Tiere mit Eigelegen


befallener Kronenansatz

Die Wollige Napfschildlaus
Pulvinaria regalis

Der nachstehende Text sind im AK-Stadtbäume erarbeitet worden, die Abbildungen stammen aus Hamburg.

Die Wollige Napfschildlaus ist wahrscheinlich aus Südostasien eingeschleppt worden und wird in Europa seit 1964 meist in Stadtgebieten registriert, also in Bereichen, in denen die Bäume durch 'Stress' schon geschwächt sind.

Der Schädling befällt vorwiegend Linden, Rosskastanie und Ahorn. Dabei können pro Baum 20.000 bis 30.000 Läuse vorkommen. Sie adulten Tiere besitzt einen fest mit dem Körper verbundenen Rückenschild. Die Larvenstadien sind als kleine weiße, ca. 2 mm große Punkte am Stamm und an den Ästen zu sehen.

Durch das feuchtwarme Klima in den Innenstädten breiten sich die Schädlinge rasch aus. Aus jedem Gelege schlüpfen 50 Jungtiere (Nymphen), die stammaufwärts wandern und sich saugend an der Blattunterseite einnisten.

Gegenmaßnahmen
Im Siedlungsraum können i.d.R. keine Pestizide eingesetzt werden. Das Besprühungen mit Ölen zeigt nur gegen die Jungstadien (Nymphen) der Wolligen Napfschildlaus Teilerfolge. Die Gelege können so nicht erreicht werden. Auch Hochdruckreiniger und Bürsten helfen nicht und können zu Rindenverletzungen führen.

Denkbar ist dagegen eine biologisch gesteuerte Verringerung über natürliche Feinde. Eine dunkel gefärbte Unterart der Marienkäfer (Exodomus quadripustulatus) und seine Larven sind erfolgreiche Fressfeinde der Napfschildlaus. Weitere Fressfeinde sind verschiedene Schlupfwespen wie Metaphycus helvolus.







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