Schaderreger und Krankheiten an Bäumen
 

fortgeschrittenes Eschentriebsterben


junge Eschenkrone ohne Befall


beginnendes Eschentriebsterben


Detailansicht Eschentriebsterben





Eschentriebsterben
Hymenoscyphus pseudoalbidus, Nebenfruchtform: Chalara fraxinea sp.

Erfahrungsbericht aus Mecklenburg/Vorpommern, Amt für Stadtgrün Naturschutz und Landschaftspflege.

Nachdem Mitte der 90er Jahre in vielen Nachbarländern das Eschentriebsterben zu einem ernsten Problem wurde, ist es in Deutschland seit dem Jahre 2002 ebenfalls nachgewiesen, wobei sich Meldungen aus dem norddeutschen Tiefland häufen. Anfangs beschränkte sich der Befall auf Waldbestände, wodurch den Forstbetrieben ein erheblicher Schaden entstand. So gibt es seit dem 23.08.2005 ein vorläufiges Verbot der Landesforstbehörde Mecklenburg/Vorpommern, Eschen in Waldflächen des Landes neu zu pflanzen.

Schaderreger und Symptome

Das Eschentriebsterben ist erkennbar an auffälligen Triebschäden in vorerst jüngeren Kronenteilen. Kommt es zum wiederholten Befall, ist auch ein Ausfall ganzer Kronenteile zu beobachten. Häufig sind befallene Triebe durch Rindennekrosen ohne Schleimfluss gekennzeichnet, die sich gegenüber dem noch gesunden Holz scharf abgrenzen. Im weiteren Verlauf kommt es zur Triebwelke und somit zum Absterben einzelner Triebe. Die Krankheit tritt an Bäumen aller Altersklassen auf, demnach sind Altbäume ebenso betroffen wie Jungbäume und können im Extremfall auch ganz absterben.

Verursacher dieser Krankheit ist maßgeblich ein Askomyzet (Hymenoscyphus pseudoalbidus) und seine Nebenfruchtform (Chalara fraxinea). Diese Schaderreger besitzen eine hohe Pathogenität und sind hauptsächlich für die epidemische Ausbreitung dieser Krankheit verantwortlich. Eine Wanderung der Erreger von Ost nach West kann derzeit ausgeschlossen werden, da die Schäden in verschiedenen Regionen Europas gleichzeitig aufgetreten sind. Er ist bereits in Skandinavien, Österreich, Polen und auch in Holland nachgewiesen. Gleichzeitig auftretende Fäule im Wurzelstock, wie in Schleswig - Holstein beobachtet, ist jedoch nicht auf den Erreger zurück zu führen.

Konsequenzen für die Kommune

Inzwischen sind in Mecklenburg/Vorpommern auch Park- und Straßenbäume am Eschentriebsterben erkrankt. Wertvolle Altbäume mussten gefällt werden, da die Verkehrssicherheit durch das Absterben von Starkästen nicht mehr gewährleistet werden konnte oder die Bäume abgestorben sind. Bisher ist die Krankheit an Fraxinus excelsior und Fraxinus angustifolia sowie einigen Sorten wie 'Westhof's Glorie' oder 'Raywood' bekannt. Aber auch die Sorte 'Pendula' scheint zumindest in Mecklenburg/Vorpommern, extrem oft betroffen.

Ein sehr kostenträchtiges Problem sind die Jungpflanzungen. So sind in kleineren Kommunen und verschiedenen Straßenbauämtern Mecklenburgs in den vergangenen Jahren mehrfach große Teile der Pflanzungen komplett ausgefallen und die verbleibenden Bäume zeigen ebenfalls akute Absterbeerscheinungen. Die Eschen erscheinen vorerst als gut angewachsen, treiben im Folgejahr jedoch nur mit ca. einem Drittel der ausgebildeten Knospen aus, was darauf hindeuten könnte, dass die Krankheitsentwicklung größtenteils im Winter stattfindet. Auch die österreichischen Fachkollegen können dies inzwischen bestätigen. Gegenwärtig wird in einigen kleineren Kommunen in Mecklenburg/Vorpommern versucht, befallene Bäume durch einen gezielten Schnitt zum Neuaustrieb anzuregen. Ergebnisse liegen hierzu jedoch noch nicht vor.

Wenn nun von den Baumschulen eine gute Qualität geliefert, die Pflanzung fachlich richtig durchgeführt und die Anwachspflege gewissenhaft ausgeführt wurde, wer trägt dann die Kosten für eventuelle Neupflanzungen? Eine Frage über die in Mecklenburg/Vorpommern noch gestritten wird. Inzwischen raten Experten zumindest in den betroffenen Regionen davon ab, weiterhin Fraxinus excelsior, Fraxinus angustifolia und ihre Cultivare als Straßenbaum zu pflanzen. Ob andere Arten und Sorten, wie in der GALK - Straßenbaumliste aufgeführt, eine denkbare Alternative sein könnten (z. B. Fraxinus pennsylvanica oder Fraxinus americana 'Autumn Purple') ist dringend zu erproben. Derzeit laufen genetische Untersuchungen, ob möglicherweise resistente Sorten aus widerstandsfähigen Beständen der einheimischen Esche vermehrt werden können.

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vitale Bergulme


abgestorbene Feldulme


typisches Schadbild der Holländischen Ulmenkrankheit


Holländische Ulmenkrankheit, typische Verfärbungen im Holz

Holländische Ulmenkrankheit
Ophiostoma ulmi

Der nachstehende Text und die Abbildungen stammen aus dem  Hamburger Ulmenprogramm, Umweltbehörde Hamburg, Abt. Landschaftsplanung und Stadtgrün.

Das vergangene Jahrhundert war mit Blick auf die Ulmen durch die Holländische Ulmenkrankheit geprägt. Seit der Entdeckung der Krankheit um 1920 sind ihr mehrere zehn Millionen Bäume, hauptsächlich in Westeuropa, zugrunde gegangen. Die Skelette abgestorbener Bäume haben das Landschaftsbild in den Niederlanden und in Großbritannien vor allem in den Siebziger Jahren geprägt.

Dennoch haben zahlreicher Ulmen unbemerkt überlebt. So konnte für das Bundesland Sachsen nachgewiesen werden, dass deutlich über 100 000 Exemplare in der Landschaft vorhanden sind, darunter rund 6000 Starkbäume ( > 50 cm; MACKENTHUN 2000).

Die Holländische Ulmenkrankheit hat auch in Deutschland erhebliche Lücken in die Bestände gerissen; in einigen Bundesländern stehen Ulmen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten. In Hamburg stehen alle drei Ulmenarten als ‚vom Ausstreben bedroht' auf der Roten Liste (JEDICKE 1997); in der bundesweiten Roten Liste wurde diese Einschätzung etwas revidiert (KORNECK et al. 1996).

Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Krankheit in absehbarer Zeit von selbst völlig zum Erliegen käme oder durch eine durchgreifend wirksame Therapie ausgerottet werden könnte. Die Holländische Ulmenkrankheit wird auch zukünftig eine erhebliche Bedrohung für jeden Versuch darstellen, in der Landschaft wie in der Stadt Ulmen zu erhalten oder deren Zahl zu steigern.

Risiken

Für Ulmen werden innerhalb eines Baumbestandes die Risiken zu erkranken vorhanden bleiben und Ausfälle durch die Holländische Ulmenkrankheit nicht auszuschließen sein. Große Umsicht bei den Pflanzungen ist daher ebenso notwendig wie ein gewisser Mut zum Experiment. Die Entscheidungsträger sind frühzeitig auf die Chancen, aber auch auf die Risiken aufmerksam zu machen und auch die Öffentlichkeit sollte informiert sein.

Die Holländische Ulmenkrankheit kann durch Splintkäfer wie auch über Wurzelverwachsungen übertragen werden. Ulmen sind deswegen bevorzugt in kleinen Gruppen zu pflanzen, die von Bäumen anderer Arten umgeben werden. Dem Splintkäfer wird damit das Aufsuchen der Ulmen erschwert. Lange Reihenpflanzungen sind zu vermeiden, um das schnelle Fortschreiten der Krankheit durch die Wurzeln zu unterbinden.

Perspektiven

Wichtigste Voraussetzung für einen vitalen Ulmenbestand ist das Wissen um deren Standorte sowie deren regelmäßige Kontrolle auf Krankheitsbefall durch die Holländische Ulmenkrankheit. Dies kann am erfolgreichsten über ein Monitoring-Konzept vorbereitet werden, bei dem es auch um die Gefährdungs-einschätzung geht. Die erfassten Bäume werden jährlich auf Anzeichen der Holländischen Ulmenkrankheit hin besichtigt.
Für erkannte Krankheitsherde muss eine Hygiene-Strategie entwickelt werden. Bäume, die Anzeichen der Holländischen Ulmenkrankheit zeigen, werden sofort behandelt. So lange keine wirksamen Mittel zur Bekämpfung der Krankheit zur Verfügung stehen, gilt die Hauptsorge dem Schutz der noch nicht befallenen Bäume.

Ein Kriterienkatalog für die Auswahl der Standorte ist ein weiteres Instrument, um in Verbindung mit der sorgfältigen Auswahl des Pflanzguts einen stabilen Ulmenbestand aufzubauen. Hier unterschieden sich Straßenraum, Abstandsgrün, Grünanlagen und Parks sowie die geschützte wie ungeschützte freie Landschaft erheblich.
Aus der Vielzahl angebotener Ulmen sollten solche ausgesucht werden, die über eine gewisse Resistenz der Holländischen Ulmenkrankheit gegenüber verfügen, die standortgeeignet sind, die ästhetisch befriedigen und in ein mögliches Gesamtkonzept eines Baumpflanz-programms passen.

Einmal gepflanzt, erweisen sich Ulmen in der Jugendphase als ausgesprochen wuchsfreudig. Verglichen mit anderen gängigen Arten, beispielsweise Baumhasel und Linde, legen Ulmen bis zu 50 % mehr an Stammumfang und Höhe zu. Sie wachsen also schneller zu ansehnlichen Bäumen heran und übernehmen frühzeitiger ihre Funktionen als Gestaltungselemente, Schattenspender und Sauerstoffproduzenten können. Auch hierin zeigen sich die Ulmen als Gattung, um die zu kümmern sich lohnt.

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befallene Krone


absterbender Ast


abgestorbener Ast
abgestorbener Ast

Massaria-Krankheit der Platanen         Splanchnonema platani (Ces.) Barr.

Der nachstehende Text und die Fotos wurden vom Fachbereich Straßenbetrieb und Grünflächen in Mannheim bereitgestellt.  Betrieb Grün- und Freiflächen

Bedeutung der Platanen

In vielen Kommunen Deutschlands ist die Platane eine der Hauptbaumarten im Stadtgebiet. Sie ist ein hervorragender Straßenbaum, der sehr hitzeverträglich, stadtklimafest, schnittverträglich und strahlungsfest ist. Die Platane verträgt Bodenverdichtungen und ist durch ihre breit ausladende Krone sehr Stadtbild prägend. Aus diesen Gründen findet sie sich in der Straßenbaumliste der Ständigen Konferenz der Gartenamtsleiter beim Deutschen Städtetag wieder, jedoch mit dem Hinweis auf vermehrte Schadorganismen in den zurück liegenden Jahren.
Bislang hatten die Kommunen nur relativ geringe Aufwendungen, um die Verkehrssicherheit an diesen Bäumen zu gewährleisten. Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass in vielen Städten die dominierenden und Stadtbild prägenden Alleen aus Platanen bestehen. Daher ist der Befall dieser Baumart durch die Massaria - Krankheit so bedeutsam.

Massaria-Krankheit

Durch den Klimawandel sind immer häufiger hohe Temperaturen und lang anhaltende Trockenperioden zu verzeichnen. Diese Bedingungen fördern die Verbreitung und Vermehrung von Schadorganismen, zu denen u. a. der Massaria-Erreger gehört. Es handelt sich hierbei um einen Pilz (Splanchnonema platani (Ces.) Barr.), der seit 2004 in Süddeutschland nachgewiesen ist und sich mittlerweile weit in Deutschland verbreitet hat.
S. platani verursacht eine rasche Totholzbildung an den Ästen der unteren und inneren Krone, wobei sowohl schwachwüchsige als auch Starkäste betroffen sein können. Diese trocknen innerhalb weniger Monate ab, fallen zu Boden und stellen somit ein erhöhtes Risiko dar. Bei warmer und trockener Witterung, wie in den Sommern 2003 und 2006, tritt ein erhöhter Befallsdruck auf, so dass in ca. 2 Monaten mit verstärkter Totholzbildung und zahlreichen Astabwürfen zu rechnen ist.
Die Symptome der Erkrankung sind visuell vom Boden aus schwer erkennbar:

  • Streifenförmige rot/rosa Verfärbung, häufig an den Astoberseiten
  • Schwarzfärbung durch Pilzsporen
  • Befallenes Holz stirbt ab (z.T. nur Astoberseiten, aber auch ganze Äste)
  • abgestorbene Rinde wird rissig und fällt in Teilen ab
  • Holz darunter auffällig kaffeebraun
  • Sprödbruch an den Ästen

Auswirkungen

Vor dem Auftreten der Massaria-Krankheit waren die Aufwendungen zur Herstellung der Verkehrssicherheit an Platanen eher gering. Die notwendigen Baumkontrollen wurden 1 bis 2mal jährlich durchgeführt und die daraus resultierenden Ergebnisse abgearbeitet (normaler Pflegezyklus alle 3-5 Jahre).

Kurzfristige Auswirkungen:

  • Durch den Massaria-Befall ändern sich die Kontroll- und Pflegeintervalle grundlegend. Je nach Witterung kann dies in Extremjahren dazu führen, dass 3 bis 4 Pflegegänge an den befallenen Platanen notwendig werden.
  • Ein erhöhter Einsatz von finanziellen und personellen Ressourcen ist die Folge.
  • Kontrollpersonal sollte gesondert geschult werden, da die Symptome für das ungeübte Auge nur schwer erkennbar sind.

Langfristige Auswirkungen:

  • Eine Bekämpfung des Pilzes ist nicht bekannt.
  • Durch die starke Totholzbildung verkahlen die Bäume von unten nach oben und von innen nach außen. Hauptsächlich an großen und alten Platanen führt dies zu erheblichen statischen Problemen.
  • Möglicherweise werden wiederholte starke Rückschnitte notwendig, die hohe Folgekosten verursachen und das Stadtbild erheblich verändern.

In Mannheim werden seit Mitte 2007 verschiedene Schnitttechniken an Bäumen getestet, deren Ergebnisse mit großer Spannung erwartet werden.


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Abb.1 Platanenkrebs in Avignon 2008; Prof. A.Vigouroux.

Abb.2 Platanenkrebs in Avignon 2008; Übersicht Stamm

Abb.3 Platanenkrebs in Avignon 2008; Detailansicht

Platanenkrebs, Ceratocystis platani
Quarantäne - Schaderreger!

Der folgende Text stammt nicht aus den Erfahrungen deutscher Kommunen sondern wurde aus anderen Ländern Mitteleuropas als Literaturrecherche zusammengetragen.

Dieser Beitrag dient hauptsächlich der Vorsorge und Sensibilisierung der Fachkollegen für diesen Erreger, da bei einem Erstnachweis die zuständigen Behörden/ Pflanzenschutzämter zu informieren sind, damit diese im Anschluss den notwendigen Maßnahmenkatalog erstellen, koordinieren, kontrollieren und betreuen können.
Die Platane ist in vielen deutschen Kommunen eine der Hauptbaumarten, im Süden Deutschlands häufiger als im Norden.
Bisher ist der Platanenkrebs in der Bundesrepublik Deutschland noch nicht nachgewiesen worden.

Schaderreger und Symptome

Der Platanenkrebs ist bereits seit 1929 in den USA bekannt. In Europa wurde ein Erstbefall 1945 in Frankreich gemeldet. Weiterhin erfolgte der Nachweis 1972 in Norditalien, 1983 im Tessin, 2001 in Genf und 2006 erneut in Frankreich am Canal du Midi. Bei dem Platanenkrebs (Ceratocystis platani) handelt es sich um einen pilzlichen Erreger, der über Verletzungen oder Feinwurzeln in den Baum eindringt und dort die Leitungsbahnen verschließt. Befallene Bäume sterben dann innerhalb von 2 - 5 Jahren ab. Die Verbreitung des Pilzes erfolgt über Wasser, Luft, Insekten und den Menschen (z.B. Baumschnittmaßnahmen). Da der Erreger kein spezifisches Erscheinungsbild besitzt, können Hinweise auf einen möglichen Befall Stammnekrosen, Verfärbungen am Stamm und abgestorbene Kronenteile geben. Für Menschen und Tiere ist dieser Pilz ungefährlich, da er ausschließlich Platanen befällt.

Trotz der drastischen Maßnahmen wurden in Genf 2002 und 2003 erneut Infektionsherde festgestellt. In Frankreich sind bis zum Jahre 2011 ca. 4.000 Bäume gefällt worden und Experten rechnen damit, dass am Canal du Midi in den nächsten 15 - 20 Jahren alle 42.000 Platanen durch den Platanenkrebs ausfallen werden.

Konsequenzen für die Kommune

Beispiele für Maßnahmenkataloge aus Genf und Frankreich:

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Abb.1 auffälligstes Symptom sind dunkle Leckstellen auf der Rinde.
Abb.2 Rosskastanien mit Pseudomonas- und Hallimasch-Befall.
Abb.3 überstehen Bäume den Befall, verändert sich in den Folgejahren oft das Rindenbild.
Abb.4 bräunlich verfärbte Leckstellen durch Pseudomonas.
Abb.5 Das befallene Phloems ist orange-braun bis rötlich und ungleichmäßig, mosaikartig verfärbt.
Abb.6 der Übergang zum gesunden Gewebe ist stets unregelmäßig.
Abb.7 Befall bis zum Holz führt auch hier zu Verfärbungen.
Abb.8 eingetrockneten Leckstellen sind den Fruchtkörpern des Brandkrusten-Pilzes sehr ähnlich.
Abb.9 dunkle, rötlich gefärbte Periderme trennen gesundes von befallenem Gewebe im Phloem.

Pseudomonas-Rindenkrankheit
Pseudomonas syringae pv. aesculi

Auf der Grundlage von Untersuchungen zum Nachweis des Bakteriums Pseudomonas syringae pv. aesculi in Hamburg im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde.

Pseudomonas-Rindenkrankh. der Rosskastanie

Seit dem Jahr 2002 wurde in den Niederlanden innerhalb weniger Jahre eine neue Erkrankung an Rosskastanien beobachtet, wobei mehrere Arten bzw. Hybriden innerhalb der Gattung betroffen waren. Auffälligstes Symptom sind dunkle Leckstellen auf der Rinde (Abb. 1).
Als Verursacher konnte inzwischen das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi identifiziert werden. Die Erkrankung ist inzwischen in weiten Teilen Deutschlands verbreitet. Ähnliche Symptome können jedoch auch anderen Ursprungs sein, z. B. ein Befall mit Phytophthora-Arten.

Im Auftrag der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg konnte vom Institut für Baumpflege der Schaderreger 2007 erstmals in Deutschland nachgewiesen werden. Die Bakterienisolierung erfolgte an der Universität Hamburg, die Untersuchung auf das mögliche Vorhandensein von Phytophthora-Arten an der HAWK Göttingen.

Bei einer umfangreiche Reihenuntersuchung der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt und des Pflanzenschutzdienstes wurden in Hamburg im selben Jahr von 750 Rosskastanien mit Schleimfluss 96 auf den Erreger hin überprüft. In nur 4 Fällen konnte der Erreger nachgewiesen werden. Bei einer Folgeuntersuchung an 101 Rosskastanien im Jahr 2014 waren es bereits 46 Nachweise, was die seit 2013 laufende, verheerende Befallswelle widerspiegelt. Inzwischen sind alle in Hamburg gepflanzten Aesculus-Arten in allen Altersklassen betroffen.

Makroskopische Merkmale eines Pseudomonas-Befalls

Die typischen Schadsymptome eines Befalls durch Pseudomonas syringae pv. aesculi unterscheiden sich auch makroskopisch von anderen häufigen Auffälligkeiten, wie leckende Wunden oder nässende Stammrisse, während sie sich gegen einen Phytophthora-Befall nur schwer abgrenzen lassen (DUJESIEFKEN et al. 2008).
Der Befallsschwerpunkt liegt offenbar meist im Bereich von Stamm und Kronenansatz und breitet sich von hier weiter nach oben und nach unten aus (Abb. 1). Leckstellen in Höhen über 6 m sind ebenso selten anzutreffen wie Schadsymptome, die bis an den Stammfuß reichen. Hier sind schwärzliche Leckstellen auch mit Fruchtkörpern des Brandkrustenpilzes zu verwechseln (Abb. 8).

Zunächst bilden sich durch die bakterielle Rindenkrankheit der Rosskastanie die schwärzlichen Leckstellen aus, oftmals auf gesund erscheinender Rinde. Dieser zunächst flüssige Ausfluss trocknet dann zu schwärzlichen, krustigen Flecken auf der Rinde aus. Im Bereich der Leckstellen verfärbt sich die Rinde häufig bräunlich (Abb. 4). Legt man derartige Stellen vorsichtig mit einen scharfen Werkzeug frei, zeigt sich darunter im Bereich des Phloems, anders als bei einem Phytophthora-Befall, eine besonders intensive orange-braune bis rötliche Verfärbung, die in sich sehr kleinteilig mosaikartig zoniert ist (Abb. 5). Der Übergang zum gesunden Gewebe ist scharf abgegrenzt und verläuft unregelmäßig (Abb. 6). Die abgestorbenen, verfärbten Bereiche bleiben über längere Zeit auf die Rinde begrenzt und reichen zunächst nicht bis in den Holzkörper. In der Rinde sind die befallenen Bereiche durch bereits makroskopisch deutlich erkennbar rot gefärbte Periderme von den gesunden, noch lebenden Bereichen der Rinde getrennt (Abb. 9).

Die Rindennekrosen verlaufen in axialer Richtung streifenförmig und offenbar über mehrere Meter Länge. Dabei ist nicht jede Nekrose im Phloem durch eine Leckstelle von außen erkennbar. Es handelt sich hier um abgestorbenes Gewebe in der jüngsten Rinde, bei der häufig auch das Kambium sowie das darunter liegende Holz abgestorben ist (Abb. 7). Der Umfang des Befalls ist daher in vielen Fällen deutlich umfangreicher als es von außen anhand der Leckstellen den Anschein hat. Es bleibt weiterhin zu klären, ob diese Art der Nekrosen ein Frühstadium oder eine Spätfolge des Befalls ist.

Stärkere Befälle verursachen hingegen ein streifenförmiges Absterben der gesamten Rinde und der darunter liegenden Gewebe. Die Streifen sind häufig wenige Zentimeter breit und können mehrere Meter lang sein, die von den Seiten her überwallt werden. Der Holzkörper weist dann Verfärbungen auf. Im Extremfall befinden sich mehrere, auch breitere Totstreifen an einen Stamm oder der Baum stirbt halbseitig ab. Häufig haben diese Bäume noch weitere Schäden oder einen Befall von Sekundärschädlingen, z.B. Armillaria. Hierdurch ist dann auch oftmals die Verkehrssicherheit beeinträchtigt oder es kann sogar zum Absterben des Baumes führen (Abb. 2).
Auch an jüngeren Bäumen wurden die für Pseudomonas typischen Leckstellen beobachtet. Hier wurde dann zusätzlich ein auffälliges Rindenbild in Form einer verstärkten Verborkung festgestellt (Abb. 3).

Vor allem an Rotblühenden Rosskastanien (Aesculus x carnea) und (Aesculus x carnea 'Briotii') tritt seit 2013 ein verändertes Krankheitsbild auf. Zu den typischen Schleimflusssymptomen kommen nun schnell voranschreitende Teilkronenvergilbungen, das Absterben dieser Partien oder der gesamten Krone. Zudem zeigen sich häufig und vorrangig am Stamm Pilzfruchtkörper, offensichtlich als Sekundärschädlinge. In der Folge treten vermehrt Astabbrüchen, aber auch großflächige Rindenablösungen auf und viele Bäume sterben rasch ab.

Empfehlungen für den weiteren Umgang

Die Erfahrungen mit Rosskastanien in den Jahren vor 2013 ließen hoffen, dass die befallenen Bäume auch nach Jahren meist nicht absterben. Die zahlreichen Fällungen befallener Bäume waren offenbar eine Überreaktion und es zeigte sich zunächst, dass auch stark befallene Bäume überleben können, wenn die befallenen Gewebe eintrocknen und sich nicht mehr weiter ausbreiten. Bäume mit einer schwachen Vitalität hatten jedoch Probleme. Bäume, bei denen neben dem Bakterien-Befall weitere Schaderreger wie z. B. Hallimasch-Befall auftreten, starben ganz oder weitgehend ab (DUJESIEFKEN et al. 2008).

Ist die Verkehrssicherheit durch andere Schäden nicht beeinträchtigt, sollten Rosskastanien mit leichtem und mittelstarkem Befall, die noch eine gute Vitalität aufweisen, so belassen und weiter beobachtet werden. Bäume mit bereits schwacher Vitalität oder weiteren Vorschäden sollten entfernt werden. Die Fällung befallener Bäume ist jedoch keine Garantie dafür, dass die verbleibenden Bäume ohne Symptome von Pseudomonas nicht befallen werden, da zurzeit noch keine Kenntnisse vorliegen, wie sich das Pathogen ausbreitet und die Besiedlung abläuft.

Bis zur näheren Klärung der Pathogenese der Erkrankung ist es ratsam, nach Schnittarbeiten an Rosskastanien mit Schleimflussflecken das Werkzeug sowie kontaminierte Schuhe/Handschuhe zu desinfizieren. Dazu ist eingeschränkt 70% Ethanol geeignet, besser noch spezielle, zugelassene Desinfektionsmitteln auf Basis von Benzoesäure, z.B. Menno-FloradesTM (Menno Chemie). Schnittgut erkrankter Bäume kann vor Ort gehäckselt werden, sollte aber als Vorsichtsmaßnahme anschließend nicht vor Ort ausgebracht, sondern einer geregelten, kommerziellen Heißkompostierung zugeführt werden.

An Rosskastanie ist die Differenzierung von Leckstellen verursacht durch Phytophthora- und Pseudomonas-Arten anhand makroskopischer Kriterien bislang schwierig. Zudem sind z.B. in Hamburg Mischbefälle beider Erreger nachgewiesen worden, so dass bei Verdachtsfällen spezielle und aufwändige Laboruntersuchungen nötig sind, um den Erregers eindeutig nachzuweisen. Für die Baumpflegepraxis werden inzwischen verlässliche Schnelltests zur Erregerbestimmung angeboten.


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Abb.1+2 Pressetermin am 26.07.2010 zur Russrindenkrankheit in Köln

Abb.3 Stammbruch, Weißfäule durch Rußrindenkrankheit; Leipzig 2007

Abb.4 Befallener Ahorn mit Sporen-lagern unter aufgebrochener Borke

Abb.5 großflächig. Befall; Leipzig 2007

Rußrindenkrankheit des Ahorns
Cryptostroma corticale

Der nachstehende Text und die Fotos wurden vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen in Köln und in Leipzig bereitgestellt.

Rußrindenkrankheit

Die Rußrindenkrankheit wird durch einen Pilz verursacht, von dem noch keine Hauptfruchtform bekannt ist. Betroffen sind bisher in erster Linie der Bergahorn, seltener Spitzahorn und Feldahorn. Ein Befall macht sich zunächst durch längliche Risse in der Rinde und Schleimfluss am Stamm bemerkbar. Dann verwelken die Blätter, fallen ab und in der Krone sterben Äste ab. Der Baum stirbt ab, oft innerhalb nur einer Vegetationsperiode, seine Rinde reißt auf und ein ausgedehnter, schwarzer, rußartiger Belag wird sichtbar. Diese vom Pilz gebildeten Sporenlager geben der Krankheit auch ihren Namen. Im Splintholz zeigen sich großflächige, blaugrüne Verfärbungen.

Die Krankheit trat in Deutschland erstmals im Jahr 2005 in Baden-Württemberg auf. In den Folgejahren 2006 und 2007 konnte der Pilz für den Raum Leipzig sowie für Dresden und die Rhein-Main-Ebene nachgewiesen werden. In Leipzig war eine große Zahl von Bäumen befallen und in manchen Parks fast alle Bergahorne mit glatter Rinde betroffen. Nur wenige alte Exemplare mit borkiger Rinde blieben verschont.

Nach Beobachtungen von Wissenschaftlern spricht einiges dafür, dass die Bäume nur unter besonderen Stress für die Krankheit empfänglich sind. Der Pilz kann schon in der Rinde gesunder Bäume vorkommen. Als Schwächeparasit wartet er Stressphasen seines Wirts ab, um dann wirksam zu werden. Das würde die schnelle Verbreitung nach Hitze- und Trockenperioden erklären. In Köln ist bisher ausschließlich der Bergahorn betroffen, der 14 Prozent des Kölner Baumbestands ausmacht. In Leipzig befiel die Pilzkrankheit außerdem zwei andere Ahorn-Arten, in Nordamerika waren auch die Hickory-Nuss und Linden schon betroffen.

Vorbeugung und Bekämpfung

Da der Pilz verstärkt in Jahren mit Trockenstress, Wassermangel und großer Hitze auftritt, wirkt eine Standortoptimierung, insbesondere eine verbesserte Wasserversorgung, einem Befall entgegen. Altbäume mit einer guten Wasserversorgung sind weniger anfällig.
Erkrankten und abgestorbene Bäume sollten gerodet werden. Wegen der hohen Sporenproduktion muss dies unter Beachtung strenger Schutzmaßnahmen erfolgen. Dazu zählen u.a. der Personeneinsatz unter Vollschutz, der Abtransport des Holzes unter Planen und ein Verzicht auf Häckselung in trockenem Zustand. U.U. müssen betroffene Bereiche bis dahin abgesperrt werden. Bisher konnte noch nicht geklärt werden, ob die freiwerdenden, durch Windabtrift verbreiteten Sporen unmittelbar eine Neuinfektionen auslösen können.

Risiken für den Menschen

Die große Zahl von Pilzsporen an den abgestorbenen Ahornbäumen kann bei intensivem Kontakt auch die Gesundheit des Menschen gefährden. Deshalb wird dringend davor gewarnt, abgestorbene Bergahorne als Brennholz zu verwenden, denn das Zerkleinern setzt große Mengen der Pilzsporen frei. Beim Einatmen der Sporen können diese eine allergische Reaktion hervorrufen, die eine Entzündung der Lungenbläschen nach sich zieht. Die Symptome sind mit einer Staublunge vergleichbar.

Die Patienten leiden unter Reizhusten, Fieber, Abgeschlagenheit und Atemstörungen. In Nordamerika ist die Infektion als Berufskrankheit von Waldarbeitern schon seit längerem bekannt. Die Symptome treten charakteristischerweise sechs bis acht Stunden nach dem Kontakt mit den Sporen auf. Sie halten mehrere Stunden, seltener auch Tage, Wochen oder sogar Monate an.

Wenn Privatleute den Verdacht haben, ein Baum sei von der Rußrindenkrankheit befallen, sollten sie sich an ein Baumpflegeunternehmen wenden. Die Firmen verfügen über das Fachwissen, eine Diagnose zu stellen, und fällen den Baum, falls das erforderlich ist.

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Zweigsterben der Linde
Stigmina pulvinata

Der nachstehende Text wurde vom Baureferat Hauptabteilung Gartenbau der Landeshauptstadt München bereitgestellt.

Bedeutung der Linde

Die Linde ist einer der wichtigsten Baumgattungen in unseren Städten. Sie ist eine prägende Hauptbaumart und findet vor allem wegen des breiten Arten- und Sortenspektrums als Straßenbaum und Parkbaum rege Verwendung.
Die zahlreichen Arten und Sorten unterscheiden sich hauptsächlich in ihren Wuchseigenschaften, aber auch in Blattfarbe, Blattgröße, Austriebsverhalten, Herbstfärbung etc. Deshalb können Linden an den unterschiedlichsten Orten sinnvoll verwendet werden.

Linden galten, abgesehen von unbedeutenden Schaderreger wie Läuse, bisher als relativ gesund und robust.
Seit 2006 treten jedoch in verschiedenen Kommunen in Süddeutschland, der Schweiz und in Österreich vermehrt starke Schäden auf, die durch den Pilz Stigmina pulvinata (Zweigsterben und Kronenverlichtung bei Linden) verursacht werden.

Schaderreger und Symptome

Betroffen vom Zweigsterben der Linde sind die Kronenbereiche von Bäumen aller Altersklassen. In München wurde das Schadbild hauptsächlich an Tilia cordata (Winterlinde) und seinen Sorten festgestellt.
Der Befall an anderen Lindenarten war geringer. An Tilia tomentosa war bisher in München kein Befall zu erkennen. In der Literatur wird gegenteiliges berichtet, hier soll Tilia cordata weniger betroffen sein als andere Arten.

Im Frühjahr ist vor allem kein regelmäßiger Austrieb vorhanden, sondern viele Feinastbereiche, teilweise bis zum 2. und 3. Jahrestrieb, treiben nicht mehr aus und sterben ab. Im Verlauf der Vegetationsperiode regenerieren sich die Bäume von innen heraus, sodass die meisten Bäume bis zum Herbst wieder geschlossen grün erscheinen. Der ursprüngliche, untergliederte Kronenaufbau ist aber je nach Stärke des Befalls zerstört.
Unterhalb der abgestorbenen Feinastbereiche entstehen oft mehrere neu gebildete Triebe, die miteinander konkurrieren, sodass nach dem Blattfall der 'besenartige' buschartige Wuchs zu erkennen ist. Nach Berichten und Untersuchungen von KEHR et al. fanden sich bei näherer Betrachtung der Triebe zahlreiche Nekrosen der Rinde, die zum Absterben des Kambiums und damit der ganzen Triebe führen können. Manche Stellen werden wieder überwallt.
Auf den Rindennekrosen wurde hauptsächlich der Pilz Stigmina pulvinata gefunden. Der Pilz bildet schwarze Fruchtkörper mit dunklen Konidienmassen, die vor allem an den Nekrosenrändern in den Übergangsbereichen zum gesunden Gewebe zu finden sind. Dies wird als Indiz für die Beteiligung des Pilzes an diesem Schadensausmaß gewertet.

Hypothese zur Ursache

Man geht davon aus, dass der Pilz, der schon lange als harmloser Schwächeparasit (Saprophyt) bekannt ist, diese Schäden nur verursachen konnte, weil im Vorfeld die Bäume durch abiotische Faktoren wie kalte Winter, Trockenheit im Sommer, Bodenverdichtung etc. geschwächt waren.

Bekämpfung

Bekämpfungsmaßnahmen sind nicht bekannt.

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Pseudomonas an Rosskastanie
Rußrindenkrankheit an Ahorn
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